Solaranlage Faktencheck Schweiz: 6 Mythen und was wirklich stimmt
- 12. Feb. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Zu teuer. Zu wenig Sonne. Bergeweise Sondermüll. Einige Vorurteile zur Solarenergie halten sich hartnäckig, obwohl sie längst widerlegt sind. Wir räumen auf. Mit Zahlen, Fakten und null Schönreden.
Mythos 1: In der Schweiz scheint die Sonne viel zu selten, dass sich eine Solaranlage lohnen würde
Falsch. Auf die gesamte Fläche der Schweiz fallen jährlich rund 200-mal mehr Sonnenstrahlen, als die Schweiz an Energie braucht. Gemäss sonnendach.ch könnten rund 20 m² Solarpanels pro Einwohner installiert werden, nötig wären lediglich 8 m². Das Potenzial ist also mehr als vorhanden.
Ein Vergleich, der überrascht: Das Jungfraujoch hat ziemlich genau die gleiche Sonneneinstrahlung wie die Sahara – mit einer Globalstrahlung von 1700 kWh/m². Im Schweizer Mittelland beträgt sie rund 1150 kWh/m². Zum Vergleich: Solaranlagen in Nordafrika müssten ihren Strom erst über tausende Kilometer transportieren – mit entsprechenden Leitungsverlusten und politischen Abhängigkeiten.
Mythos 2: Eine Solaranlage ist viel zu teuer
Falsch. Solaranlagen sind in den letzten 15 Jahren rund zehnmal günstiger geworden. Gleichzeitig ist der Wirkungsgrad um den Faktor drei gestiegen. Bund und Kantone fördern die Investition direkt und sie ist steuerlich abzugsfähig.
Ein konkretes Rechenbeispiel: Eine 30m² grosse Solaranlage auf einem Neubaudach kostet rund 15 000 Franken und produziert rund 7000 kWh pro Jahr. Über die Lebensdauer von 25 Jahren ergibt das einen Strompreis von etwa 10 Rappen pro Kilowattstunde. Kein Energieversorger der Schweiz kann das unterbieten.
Wer nicht selbst investieren möchte, kann sein Dach an einen Contractor vermieten – und ohne eigene Kosten direkt von der Sonnenenergie profitieren.
Und noch etwas: An einem Eigenheim gibt es genau ein Bauteil, das sich über die Lebensdauer selbst bezahlt macht. Es ist die Solaranlage. Bodenbeläge, Küche, Heizung – alles nur Kosten.
Mythos 3: Die Herstellung von Solarpanels braucht zu viel Energie
Falsch. Jedes Produkt enthält graue Energie – also die Energie, die für seine Herstellung aufgewendet wurde. Bei Solarmodulen spricht man von der Energy-Payback-Zeit: der Zeit, die das Modul braucht, um diese Energie durch Stromproduktion wieder wettzumachen.
Das Ergebnis ist eindeutig: Je nach Installationsort amortisiert sich die graue Energie innerhalb von 1,5 Jahren (Süddach) bis 5 Jahren (Nordfassade). Über die Gesamtlebensdauer von 25 Jahren liefert ein Solarmodul fünf bis siebzehnmal mehr Energie, als seine Herstellung gekostet hat.
Der CO₂-Vergleich macht es noch deutlicher: Solarstrom aus Schweizer Anlagen verursacht rund 42,5 g CO₂ pro kWh. Der Schweizer Strommix liegt bei 136 g/kWh – Deutschland sogar bei über 400 g/kWh.
Mythos 4: Solaranlagen landen im Sondermüll
Falsch. Bereits heute sind 80 bis 90 Prozent eines Solarmoduls recycelbar. Und wer ein Modul kauft, zahlt über die vorgezogene Recyclinggebühr (VRG) die Entsorgung bereits beim Kauf mit. Am Ende der Lebensdauer einfach abgeben, genau wie einen Kühlschrank. Keine Zusatzkosten.
Was steckt überhaupt in einem Solarmodul? Hauptsächlich Glas, Metall (Aluminium, Silber, Kupfer) und Silizium. Silizium ist nach Sauerstoff das häufigste Element der Erdrinde, umgangssprachlich schlicht Sand. Völlig ungiftig. Kein Sondermüll.
Hier erfährst du mehr zum Recycling: Recycling Blog lesen
Mythos 5: Solar- und Windstrom schwanken zu stark
Falsch – zumindest als Killerargument. Zusammen mit der Wasserkraft ist die Schweiz in der Lage, Kernenergie vollständig durch erneuerbare Quellen zu ersetzen. Schwankungen im Stromangebot werden bereits heute durch Pumpspeicherkraftwerke ausgeglichen. Die Schweizer Stauseen sind die Batterie Europas, das ist keine Metapher, sondern gelebte Realität im europäischen Stromnetz.
Dazu kommt: Das heute noch verbreitete System von Hoch- und Niedertarif wurde einst eingeführt, um Strom aus Kernkraftwerken nachts zu verbrauchen. Es ist ein Auslaufmodell. Wer heute mit einer eigenen Solaranlage und einem Elektroboiler ausgestattet ist, kann seinen Überschussstrom bereits jetzt selbst steuern ohne auf Nachtstrompläne angewiesen zu sein.
Mythos 6: Solaranlagen verursachen Elektrosmog
Falsch oder zumindest: stark übertrieben. Jedes elektrische Gerät erzeugt elektromagnetische Strahlung. Die stärkste Quelle einer Solaranlage ist der Wechselrichter. Deshalb empfehlen wir, ihn nicht in Wohnräumen zu installieren, sondern in schwach genutzten Kellerräumen.
Zur Einordnung: Ein Induktionskochfeld erzeugt mit 30 cm Abstand ähnliche Smogwerte wie ein Wechselrichter mit 50 cm Abstand. Der Unterschied: Beim Kochfeld steht man direkt im Strahlungsfeld. Beim Wechselrichter ist der Abstand grösser, oft noch durch eine Betonwand getrennt. Und nachts, wenn keine Sonne scheint, erzeugt die Solaranlage überhaupt keine Strahlung.
Das Bundesamt für Umwelt bestätigt: Die Emissionen aller Anlagenteile einer Solaranlage unterschreiten die zulässigen Grenzwerte für Strahlung deutlich.

Die Fakten sprechen für sich
Faire Kosten. Effizient. Recycelbar. Und mit mehr als genug Sonne über dem Schweizer Mittelland.
Die Vorurteile gegenüber Photovoltaik entstammen einer Zeit, die längst vorbei ist. Wer heute eine Solaranlage installiert, trifft eine der besten Investitionsentscheidungen, die ein Hauseigentümer treffen kann – finanziell, ökologisch und strategisch.
Dein Dach wartet. Mach was draus.
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