top of page

Photovoltaik Recycling in der Schweiz: Was nach 25 Jahren mit deiner Solaranlage passiert

  • 22. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Ein PV-Modul hält mindestens 25 Jahre. Aber was passiert danach? Die Frage stellen sich viele – und die Antwort ist besser als ihr Ruf. Wir erklären, wie das Recycling von Photovoltaik-Modulen in der Schweiz funktioniert, was aus Wechselrichtern und Batterien wird – und warum der Kreislauf längst geschlossen ist.


Woraus besteht ein PV-Modul überhaupt?

Wer wissen will, was beim Recycling passiert, muss zuerst verstehen, was drin steckt.

Über 95 Prozent aller weltweit produzierten Solarzellen bestehen aus Silizium, dem zweithäufigsten Element der Erdrinde. Das ist kein Zufall: Silizium ist reichlich vorhanden, technisch ausgereift und umweltverträglich in der Verarbeitung und Entsorgung.


Ein typisches PV-Modul besteht aus:
  • Siliziumzellen als Herzstück der Stromerzeugung

  • Einer Frontscheibe aus gehärtetem Glas als Schutz gegen Hagel und Verschmutzung

  • Einer EVA-Einbettung (Ethylen-Vinylacetat) als Träger der Zellen

  • Lötbändchen zur elektrischen Verbindung

  • Einer Tedlarfolie oder zweiten Glasscheibe auf der Rückseite

  • Einem Aluminiumrahmen für die Stabilität

  • Einer Anschlussdose mit Kabeln für den Stromabfluss


Bei clevergie verbauen wir hauptsächlich rahmenlose Module: Statt Rahmen und Tedlarfolie kommt eine zweite Glasscheibe auf der Rückseite zum Einsatz. Das macht die Module stabiler, wartungsärmer und auf dem Dach schlicht schöner.


Wie wird ein PV-Modul recycelt?

Hier kommt die gute Nachricht: Rund 95 Prozent eines PV-Moduls sind recycelbar. Der Prozess läuft in spezialisierten Betrieben im grenznahen Europa ab und ist heute technisch ausgereift.


So funktioniert es Schritt für Schritt:
  1. Zuerst werden Aluminiumrahmen, Kabel und Anschlussdosen vom Modul getrennt, diese lassen sich direkt recyceln.

  2. Danach wird das Modul zerkleinert.

  3. Bei Siliziumzellen kommt anschliessend die Pyrolyse zum Einsatz: ein thermochemisches Verfahren bei rund 600 °C unter Sauerstoffausschluss. Der Kunststoff verbrennt dabei, das Silizium löst sich vom Glas.

  4. Das Glas geht direkt zurück in den Recyclingkreislauf. Das Silizium verbleibt in einer metallhaltigen Flüssigkeit und wird über pH-Wert-Fällung und weitere chemische Prozesse herausgefiltert, zusammengepresst und kann für neue Solarzellen verwendet werden.


Waren PV-Module früher wirklich Sondermüll?

Diese Frage hört man immer wieder und die Antwort ist differenziert.

Für die erste Generation der PV-Module stimmte das zum Teil. Vor allem ältere Dünnschichtmodule enthielten Materialien, die als Sondermüll behandelt werden mussten. Diese Technologie wird heute bei PV-Anlagen nicht mehr eingesetzt. Moderne Siliziummodule sind davon nicht betroffen und vollständig im geregelten Recyclingkreislauf integriert.


Wie läuft das Recycling in der Schweiz konkret ab?

In der Schweiz ist das Photovoltaik-Recycling klar geregelt. Swiss Solar, der Schweizerische Fachverband für Sonnenenergie – Mitglied ist auch clevergie – schloss sich 2013 dem Recyclingsystem von SENS eRecycling an.


Am Ende des Lebenszyklus einer Anlage läuft es so ab:

Ein Fachinstallateur baut die Module fachgerecht ab. SENS holt die Module ab, bringt sie zu einer Sammelstelle und liefert sie von dort zum zertifizierten Photovoltaik-Recycler.


Die Finanzierung ist ebenfalls geregelt: Über die vorgezogene Recyclinggebühr (vRG), die bereits im Kaufpreis jedes Moduls enthalten ist. Wer eine PV-Anlage kauft, zahlt das Recycling also automatisch mit – ohne Zusatzkosten am Ende der Lebensdauer.


Was passiert mit Wechselrichtern?

Wechselrichter gelten als normaler Elektroschrott, vergleichbar mit Laptops oder PCs, nur etwas grösser. Sie werden über die bestehenden Elektroschrott-Sammelstellen der Schweiz entsorgt und recycelt.


Und was ist mit den Batterien?

Batteriespeicher sind ein Sonderfall, aber kein Problem.

Alte Batterien werden gesammelt und gelagert, bis die anfallenden Mengen ein wirtschaftliches Recycling erlauben. Die Finanzierung ist über die Vorgezogene Entsorgungsgebühr (VEG) geregelt, die unter Bundesaufsicht steht.


Besonders interessant ist dabei das Konzept des Second Life: Wenn Fahrzeugbatterien altern und ihre Kapazität sinkt, werden sie für Elektroautos unbrauchbar, aber nicht wertlos. Als stationäre Grossspeicheranlage für Netzbetreiber können sie weiterhin effizient Solarstrom speichern. So verlängert sich die Lebensdauer auf 30 Jahre und mehr.


Danach folgt das eigentliche Recycling. Der Fokus liegt dabei heute noch nicht auf der Rückgewinnung von Lithium – das Alkalimetall ist aktuell so preisgünstig, dass sich reines Lithium-Recycling noch nicht lohnt. Lithiumverbindungen werden stattdessen zum Beispiel in der Betonindustrie weiterverwendet. Anders sieht es bei Kobalt, Kupfer und Nickel aus: Diese Metalle werden bei grosser Hitze getrennt und in reiner Form zurückgewonnen. Am Ende bleibt weniger als ein Prozent an Rückständen.


Photovoltaik ist kein Wegwerfprodukt

25 Jahre Strom produzieren. Dann recyceln. Dann wieder Strom produzieren. Die Photovoltaik-Branche hat ihren Kreislauf im Griff – technisch, organisatorisch und finanziell.


Wer heute eine Solaranlage installiert, investiert nicht nur in günstigeren Strom und mehr Unabhängigkeit. Er investiert in ein System, das am Ende seines Lebens zu fast 100 % wieder in den Kreislauf zurückfliesst.


Ausgediente Photovoltaik-Module beim Recycling – clevergie erklärt den Kreislauf

Jetzt unverbindlich beraten lassen, wir planen deine Solaranlage von A bis Z.

Kommentare


bottom of page